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Tonstudio selber bauen – Schritt für Schritt Anleitung mit Einkaufszettel

Du spielst mit dem Gedanken, ein Tonstudio zu bauen?

Es ist möglich…

…aber alles andere als einfach.

Ich zeige dir heute, was man dafür alles benötigt und wie man das Projekt am besten angeht.

Bevor wir anfangen ist es wichtig, dass du genau weißt, was der Zweck deines neuen Tonstudios ist.

Willst du einfach alleine ein paar Aufnahmen machen oder bist du tatsächlich ein Produzent, der von seiner Arbeit lebt?

Für letztere ist das ganze Do It Yourself vielleicht nicht ganz angebracht, weil hier auch vieles schiefgehen kann und man gerade die Raumgestaltung eher einem Fachmann überlassen sollte.

Für alle anderen habe ich eine bombensichere Methode ausgearbeitet, mit der du dein Tonstudio selber bauen kannst.

DIY Tonstudio - endlichschalldicht.de

Ja, so einfach.

Lass uns direkt mit dem ersten Schritt beginnen!

1. Wie aus einem normalen Raum ein Homestudio wird

Suche einen Raum, der ruhig liegt.

Lärm kannst du in deinem Tonstudio nicht gebrauchen und je ruhiger der Raum ist, ohne dass du ihn präparierst, desto einfacher machst du dir die Arbeit.

Bei professionellen Tonstudios braucht man zwei Räume, den Aufnahmeraum und den Regieraum.

Wer sein Tonstudio aber zum kleinen Preis selbst bauen will, der kommt auch mit einem Raum aus.

Die Dicke der Mauer ist wichtig. Massive Wände bieten natürlichen Schallschutz nach außen und innen.

Wenn dein Raum einen Pappkarton als Wand hat, wirst du nicht viel Freude mit deinem Homestudio haben.

Tipp: Nachdem du den Raum gefunden hast, in dem dein Tonstudio stehen sollte, musst du zuerst nachsehen, wo überall Steckdosen sind und ob die Stromversorgung für dein Vorhaben ausreicht. Hierbei kommt es darauf an, welche Ausmaße das Studio haben soll. Für ein gewöhnliches DIY Tonstudio sollte es allerdings immer reichen.

Falls Geräusche von außen eindringen, kümmere dich um die Schalldämmung.

Das Wichtigste:

In den meisten Räumen gibt es mindestens ein Fenster. Dieses lässt Schall nach außen durch und blockiert den Schall von außerhalb nicht ausreichend.

Ein Raum mit Fenster so zu belassen, wie er ist, wäre sinnlos und vergleichbar mit einer Flasche Wasser mit einem Loch im Boden.

Der Schall würde einfach den Weg durch das Fenster nehmen.

Türen haben ein ähnliches Problem wie Fenster, es reicht aber oft schon aus, die Spalte zwischen Türe und Boden zu stopfen.

Widme dich der akustischen Behandlung mit Schaumstoffabsorbern

Um den Hall im Raum in den Griff zu bekommen, wäre es an der Zeit, die Wände innen mit Schaumstoff abzukleben oder ihn auf eine andere Weise anzubringen, sodass er flexibel an und abgehängt werden kann.

Ein bisschen Hall ist ganz gut für die Aufnahmen, doch die wirklich blanken Wände sollten nicht mehr Teil eines Aufnahmeraumes sein.

Auf jeden Fall wird es sinnvoll erscheinen, Noppenschaumstoff oder gleich den hochwertigen Akustikschaumstoff zu verwenden, so wie du ihn beispielsweise bei Amazon erhältst.

Noppenschaumstoff Zuschnitt (ca 100 x 50)

AKUSTIKSCHAUMSTOFF PLATTEN 24 STÜCK

Der Raum muss „trocken“ klingen, das bedeutet, der meiste Schall soll durch die Wände, Decke und den Boden absorbiert werden.

Schaumstoff auf dem Boden?

Während Wände und die Decke den Schaumstoff gut vertragen, kann ein dicker Teppich auf dem Boden weiteren Schall absorbieren.

Je nach Verwendung des Studios gibt es jedoch verschiedene Abstimmungen, die sich anbieten.

Würde man beispielsweise ein kleines Tonstudio für Audiobook-Produktion bauen, müsste der Raum möglichst trocken klingen.

Falls jedoch Instrumente wie eine Konzertgitarre aufgenommen werden sollen, darf der Raum weniger trocken klingen, da eine solche Gitarre ohne Hall zu stumpf klingt.

Also:

Wenn du ein flexibles Tonstudio einrichten möchtest, solltest du daher mit Elementen zur akustischen Behandlung arbeiten, die du an die Wand anbringen und wieder abnehmen kannst.

Weiterhin können sogenannte Diffusoren dafür sorgen, dass der Schall nicht absorbiert wird, sondern reflektiert verteilt wird.

Um das gesamte Spektrum des Schalls in den Griff zu bekommen, solltest du darauf achten, unterschiedliche Studio-Akustikelemente zu verwenden. Insbesondere Standard- und Bass/Breitband Absorber.

Falls das Tonstudio wirklich professionell werden soll und beispielsweise E-Gitarren, ein Schlagzeug oder ähnliche, laute Instrumente zur Aufnahme gehören werden, muss das ganze Setup auf das nächste Level gehoben werden. Da Wände, Böden und Decken den Schall weitergeben, müsste man einen „Raum im Raum“ bauen, um den Schall im Aufnahmeraum zu isolieren. Das kann aber eigentlich nur vom Fachmann gemacht werden.

2. Hardware und Software für DIY Tonstudios

Nachdem der Raum gefunden und präpariert wurde, ist es an der Zeit, sich um Hardware und Software Gedanken zu machen.

Die Hardware umfasst in einem richtigen Tonstudio nicht nur einen Computer oder Mac, sondern auch zumindest ein Interface.

Das Interface hat normalerweise zwei oder mehr Mikrofoneingänge und -Ausgänge, sowie Preamps.

Das Interface muss auf der anderen Seite an den Rechner angeschlossen werden, wofür eine USB-Verbindung schon ausreicht, oder alternativ Thunderbolt und FireWire.

Die Preise bewegen sich für Interfaces zwischen 100 und 1000 Euro oder gar mehr.

Für die meisten Fälle sollte ein günstiges Interface wie das Focusrite Scarlett 2i2 schon ausreichen.

Das Focusrite Scarlett 2i2 ist zwar nicht das absolute Top-Modell, stellt aber Lösungen ohne eigenes Interface klanglich leicht in den Schatten.

Wenn dein Rechner nicht in einem separaten Raum steht, solltest du darauf achten, dass er keine Geräusche macht oder vibriert, da sich das auf die Aufnahmen auswirken würde.

Es gibt zum Glück Prozessoren, die ohne aktive Kühlung auskommen. Diese sind leistungstechnisch schwächer, als normale Prozessoren, aber durchaus für ein Tonstudio zu gebrauchen.

Beispielsweise besitzt ein MacBook Air einen passiv gekühlten Prozessor, der demnach gar keine Geräusche von sich gibt.

Aber auch einige Windows-Geräte haben diese Eigenschaft.

Zudem sollte man eine SSD Festplatte besitzen, da diese ebenfalls stumm ist.

Und noch mehr:

Bei all dem müssen diese Geräte aber auch die notwendigen Anschlüsse anbieten.

Aber was, wenn der kleine Laptop nicht stark genug für dein Vorhaben ist?

Bei heftigerer Nutzung müsste man auf leistungsfähigere Hardware zurückgreifen und diese so gut kühlen, wie möglich.

Neben der Hardware muss auch die Software stimmen.

Wenn wir über DAW-Software sprechen, dann begeben wir uns in ein Feld, in dem Subjektivität eine große Rolle spielt.

Es gibt eine Handvoll Produkte, die alle Vor- und Nachteile haben, aber auch allesamt den Job erledigen können.

Wenn du ein Apple-Gerät besitzt, darfst du Logic Pro nutzen, für Windows User gib es das Programm nicht.

Für PC und Microsoft Laptops existieren allerdings auch einige Produkte, die in Frage kommen, beispielsweise Ableton Live, Cubase Pro und FL Studio.

Dieses Setup, bestehend aus Rechner, Interface und Software ist minimal, aber für den Anfang völlig ausreichend.

Professionelle Studios umfassen weitere Preamps, ein Mischpult, Wandler, Effektgeräte oder Controller – die den Preis des Tonstudios jedoch weit nach oben treiben können.

Fügt man diese Geräte dem Setup hinzu, sollte man allerdings genau wissen, was man tut, oder am besten einen Fachmann zu Rate ziehen.

3. Keine Aufnahme ohne Mikrofon

Willst du dir ein kleines Tonstudio selber bauen, brauchst du auf jeden Fall ein Mikrofon mit einem Mikrofonostativ, einem Mikrofonkabel und einem Popschutz.

Bei der Wahl des Mikrofons oder der Mikrofone ist vor allem eines wichtig: Dein Budget!

Natürlich findest du für einen kleinen, dreistelligen Betrag bereits ein ordentliches Mikrofon, das den Anforderungen der meisten Home Studios auf jeden Fall gerecht wird.

Je professioneller du dir das Ganze vorstellst, desto besser muss das Mikrofon sein.

Es kommt auch darauf an, wofür das Mikrofon ausgelegt ist. Soll es Gesang aufnehmen? Eine Band? Einen Sprecher?

Da Mikrofone in verschiedenen Bauweisen daherkommen, musst du dir im Klaren sein, auf was dein Tonstudio spezialisiert sein soll – es sei denn, du strebst ein flexibles Setup mit einer ganzen Auswahl an Mikrofonen an.

  • Den Standard bilden die Großmembran-Mikrofone, weil sie für die meisten Aufnahmen zu gebrauchen sind. Sie gehören zu den Kondensator-Mikrofonen.
  • Kleinmembran-Mikrofone haben einen neutraleren Klang, als Großmembran-Mikrofone und werden eher für die Aufnahme von Akustikgitarren und Streicher verwendet.
  • Tauchspulenmikrofone sind dynamische Mikrofone, die in Live-Situationen oft verwendet werden. Sie sind sehr robust und ertragen einen hohen Schalldruck.
  • Bändchenmikrofone sorgen hingegen für einen Klang, der als wärmer empfundenen wird. Sie sind empfindlicher, aber für das Studio perfekt geeignet.

Studiomikrofone werden oft mit einer Richtcharakteristik beschrieben, die in einem sogenannten Polardiagramm dargestellt wird und die Empfindlichkeit des Mikrofons beschreibt.

Du solltest wissen, dass diese Richtcharakteristiken unterschiedliche Auswirkungen auf die Aufnahmen in deinem Heimstudio haben.

  • Die Kugelcharakteristik ist beispielsweise nützlich, wenn der Raumklang eingefangen werden soll.
  • Die Nierencharakteristik ist bei Großmembranen verbreitet und sorgt dafür, dass das Mikrofon hauptsächlich von vorne aufnimmt, die Seiten nur marginal beachtet und Schallwellen von Hinten unterdrückt.
  • Die Achtercharakteristik sorgt dafür, dass Schall von vorne und hinten aufgenommen wird, aber der Schall von den Seiten unterdrückt wird.

Je größer dein Budget ist, desto mehr Mikrofone kannst du kombinieren, um jede Aufnahme nach deinen Vorstellungen zu formen.

Für Sprach- und Gesangsaufnahmen ist zudem ein Kopfhörer wichtig.

Hier solltest du nicht sparen, weil du nur mit einem hochwertigen Kopfhörer den Klang möglichst unverändert wiedergeben kannst.

Damit du die Aufnahmespur hörst, musst du den Kopfhörer mit dem Interface verbinden. So vermeidest du hohe Latenzen (die Verzögerung zwischen Empfang des Sounds und dessen Wiedergabe).

Einkaufszettel für unterschiedliche Budgets

Um Kaufanregungen für Mikrofone, Interfaces und Software zu bekommen, kannst du dir die folgenden beispielhafte Kombinationen ansehen.

Das erste Setup ist minimal, aber effektiv, jedoch nicht für professionelle Produktionen geeignet.

Das zweite Setup ist schon besser und könnte dich über mehrere Jahre hinweg begleiten.

Das dritte Setup ist schon etwas für ein professionelles Studio, wobei man hier natürlich je nach tatsächlicher Benutzung des Tonstudios mehrere Mikrofone und weitere Hardware hinzufügen müsste.

Diese Kombinationen wurden von mir nicht getestet und sind daher in ihrer Funktion nicht verbindlich.

Samson-G-Track-USB-Studiomikrofon

  1. Samson G-Track USB Studiomikrofon mit integriertem Audiointerface
  2. Mikrofonständer
  3. 6 Zoll Popschutz
  4. Image Line FL Studio 20 Producer Edition

Rode NT1-A

  1. Rode NT1-A Set Kondensator Mikrofon + KEEPDRUM NB35 Gelenkarm Tisch-Stativ
  2. Focusrite Scarlett 2i2 (2G) USB-Audio-Interface mit Pro Tools
  3. Windows User: Image Line FL Studio 20 Producer Edition

Lewitt LCT 640 Authentica Kondensator Mikrofon

  1. Lewitt LCT 640 Authentica Kondensator Mikrofon
  2. Focusrite Clarett 4Pre USB
  3. Mikrofonständer
  4. Cubase Pro

So baut man sein eigenes Tonstudio, ohne sein Sparschwein zu plündern (es handelt sich um ein großes Sparschwein).


Hast du dich entschieden, ein Tonstudio zu bauen?

Lass mich wissen, wie du es umgesetzt hast.

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